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Desiro ML ÖBB Cityjet Eco vom Projekt „ÖPNV/SPNV für alle“ begutachtet (SH-NEWS 2020/080 vom 18.09.2020)

Desiro ML ÖBB Cityjet Eco VVO-Präsentation im Rahmen der Europäischen Mobilitätswoche

(LSKS/mbg, ahä) Im Rahmen der Europäischen Mobilitätswoche präsentierte der Verkehrsverbund Oberelbe (VVO) gemeinsam mit dem Hersteller Siemens und der Österreichischen Bundesbahn (ÖBB) am 16.9.2020 den u.a. in Wien verkehrenden Zug Desiro ML ÖBB Cityjet Eco. Am Dresdner Hauptbahnhof wurde der Öffentlichkeit die Möglichkeit gegeben, sich den ersten zugelassenen Batteriezug Europas genauer anzusehen und gezielt Fragen zu stellen. „Elektroantriebe spielen im Rahmen der vom VVO verfolgten Klimastrategie, bei der nach strecken- und fahrzeugseitigen Lösungen für eine Dekarbonisierung des Verkehrs gesucht wird, eine große Rolle. Neben der Elektrifizierung von Strecken stellen alternative Antriebe eine Möglichkeit für klimafreundlicheren Bahnverkehr dar“, informiert der VVO in seinen aktuellen Flyern „Verkehrswende gestalten – Alternative Antriebe für die Schiene“.

Unverständlich ist allerdings, warum es der VVO für nicht erforderlich gehalten hatte, das mit ihm eng zusammenarbeitende und Ende 2019 mit dem Bundesteilhabepreis ausgezeichnete Projekt „ÖPNV/SPNV für alle“ des Landesverbandes Selbsthilfe Körperbehinderter e.V. (LSKS) gezielt zu dieser Fahrzeugvorstellung und zu der am Vormittag durchgeführten Präsentationsfahrt nach Königsbrück (und zurück) einzuladen. Damit war es nur möglich, am Nachmittag an der u.a. in Facebook beworbenen Vorstellung des Zuges auf dem Dresdner Hauptbahnhof teilzunehmen, um einen ersten, natürlich noch unvollständigen Überblick zur Barrierefreiheit zu gewinnen.

Jede Tür verfügt über einen Schiebetritt, der sich automatisch bei Türöffnung ausfährt. Bei barrierefreien Bahnsteigen mit 55 cm Höhe ist daher analog zum Modell Talent 2 (u.a. Dresden – Leipzig) ein problemfreies Ein- und Aussteigen sowie Ein- und Ausfahren mit dem Rollstuhl, mit Rollatoren oder Kinderwagen möglich. Allerdings wird erwartet, dass die neue Generation der Schiebetritte zuverlässiger ist, auch unter Winterbedingungen oder bei Verschmutzung nicht so häufig ausfällt wie bei den älteren schmalen Desiro-Fahrzeugen der ehemaligen Städtebahn (jetzt MRB).

Das für Rollstuhlfahrer ausgewiesene Mehrzweckabteil (einschl. Behindertentoilette) befindet sich im präsentierten Zug am Kopf bzw. am Ende des Fahrzeuges. Allerdings entspricht dieser Bereich mit nur vier Stellplätzen nicht der Vorgabe der in den Abschlussbericht der ÖPNV-Strategiekommission eingegangenen Technischen Forderungen des Projektes „ÖPNV/SPNV für alle“. Dort sind bekanntlich für den S-Bahn und regionalen Bahnverkehr pro Zug sieben Rollstuhl-Stellplätze (ggf. kombiniert mit Kinderwagen) mit Toilettenzugang, davon mindestens vier geeignet ausgestattete Stellplätze (u.a. Sprechanlage/Notruf) speziell für Fahrgäste im Rollstuhl gefordert. Deshalb wird erwartet, dass auch auf Grund der Gesamtlänge des Zuges, der beförderbaren Personen und des zu erwartenden Fahrplanabstandes dieses Mehrzweckabteil an beiden Endteilen des Zuges verfügbar ist.

Die dem beschriebenen Abteil zugeordnete Behindertentoilette ist für ein Verkehrsmittel relativ geräumig, die Zu- und Anordnung der Details und Bedienelemente ist gut gewählt. Der Durchgang zur nächsten Tür, die im Havariefall ggf. benötigt wird, ist jedoch relativ schmal und mit Klappsitzen ausgestattet. Auf die sollte beim Einsatz im Freistaat Sachsen und im VVO-Bereich unter Beachtung der Erfahrungen mit dem Talent 2 zumindest teilweise verzichtet werden.

Nicht beurteilt werden konnte u.a. die Lesbarkeit von Strecken-/Reiseinformationen im Fahrzeug, sowie die Verständlichkeit von Ansagen im/am Zug. Das gleiche trifft auf die Orientierungsmöglichkeiten sehbehinderter Reisender im Innenraum des Fahrzeugs durch eine geeignete Kontrastauswahl und Beleuchtung zu.

Für das Ein- und Aussteigen an 38er bzw. 76er Bahnsteigen verfügt der Zug am für Fahrgäste im Rollstuhl ausgewiesenen Mehrzweckabteil wie die gegenwärtigen Fahrzeuge der S-Bahn Dresden beidseitig über eine Rampe, die durch den Fahrgast durch Betätigen im Türbereich angeordneter Taster angefordert werden muss. Die Rampe wird durch das Zugpersonal unmittelbar vor Ort bedient, was nach Auskunft der ÖBB-Vertreter wegen des umfangreichen Handlings zugleich eine gründliche Personal-Unterweisung erfordert. Die außerordentlich aufwändige Konstruktion lässt jedoch darauf schließen, dass häufige Ausfälle nicht auszuschließen sind. Das Aus- und Einfahren der Rampe dauert zudem deutlich länger als erwartet, zusätzlich wird durch die volumenfordernde Bauweise die Türdurchgangbreite und die Breite des Schiebetritts eingeschränkt.

Sollte sich der VVO für den Einsatz dieser Züge entscheiden, wird auch auf der Basis der vorliegenden Erfahrungen bei der S-Bahn Dresden oder bei den DVB-Stadtbahnen eine leichte, transportable, manuell auslegbare mechanische Klapprampe favorisiert, die ggf. zusätzlich den Vorteil bietet, im Havariefall das Ein- und Ausfahren mit dem Rollstuhl auch an einer anderen erreichbaren Fahrzeugtüre zu ermöglichen.

Lt. VVO ist der präsentierte Zug u.a. für einen zukünftigen Einsatz auf der Strecke Dresden – Königsbrück im 30-Minuten-Takt vorgesehen. Hierzu müssen neben der Fahrzeugbeschaffung auch umfangreiche Infrastrukturmaßahmen realisiert werden. Das Projekt „ÖPNV/SPNV für alle“ ist hierfür dem VVO ein verlässlicher Partner und steht ihm in Fragen der Barrierefreiheit mit seinen Technischen Forderungen zum „ÖPNV/SPNV für alle“ und dem jahrelangen Knowhow zur Verfügung.

Hier geht es zum vollständigen Programm der Europäischen Mobilitätswoche in Dresden: Link


Bildergalerie Begutachtung Desiro ML ÖBB Cityjet Eco im September 2020

  • Einstieg für Rollstuhlfahrer mit Schiebetritt

    Einstieg für Rollstuhlfahrer mit Schiebetritt

    Quelle: LSKS/ahä

  • Rollstuhlstellplatz
  • Behinderten-WC
  • Durchgang zum nächsten Abteil
  • Ausgeklappte Rampe

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