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Übersicht aller Veranstaltungen

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Unterwegs mit Bus und Bahn nach Görlitz und Sebnitz (SH-NEWS 2018/074 vom 08.10.2018)

Busspur auf einer Straße Ausfahrten und Mobilitätstraining in Görlitz zur Europäischen Mobilitätswoche – ein Rückblick…

(LSKS/kv) Am 20.09.2018 und 25.09.2018 machten sich wieder zwei reiselustige Gruppen auf, um Sehenswürdigkeiten in Sachsen mit öffentlichen Nahverkehrsmitteln zu erreichen und zu erkunden. Dabei sollte die Barrierefreiheit im Öffentlichen Personennahverkehr und vor Ort getestet werden. Zudem stand eine Premiere auf dem Programm: Ein Mobilitätstraining mit der Verkehrsgesellschaft Görlitz GmbH (VGG)!

Aber der Reihe nach:

Ausfahrt und Mobilitätstraining in Görlitz

Vom Hauptbahnhof Dresden aus startete eine Gruppe mit verschiedenen Mobilitätseinschränkungen (Rollstuhlfahrer, Rollatornutzer, Fahrgäste mit Gehbehinderung inkl. Begleitpersonen) mit der Länderbahn/Trilex nach Görlitz. Die Fahrt verlief reibungslos und auch die Aufzüge im Bahnhof Görlitz waren intakt, was die Reisegruppe besonders erfreute, da bei der vorangegangenen Ausfahrt nach Riesa deutlich wurde, dass dies leider nicht immer selbstverständlich ist (SH-NEWS 2018/070 ).

In Görlitz trafen die Gäste aus Dresden mit den teilnehmenden Niederlausitzern zusammen, um gemeinsam ein Mobilitätstraining mit einem Niederflurbus der VGG zu absolvieren. Insgesamt wuchs somit die Gruppe auf 21 Personen (acht Rollstuhlnutzer, zwei Rollatornutzer, zwei Gehbehinderte bzw. Sehbehinderte mit Begleitpersonen), neben dem Team des LSKS und der VGG wurde die Veranstaltung auch von der Behindertenbeauftragten des Landkreises Görlitz, Frau Hunger vom Verkehrsverbund-Oberlausitz-Niederschlesien und Frau Schönfelder vom Mehrgenerationenhaus Görlitz begleitet.

Nach einer theoretischen Einheit zur Nutzung von Niederflurbussen konnten die Trainingsteilnehmer mithilfe des eigens bereitgestellten Niederflurbusses der VGG ihr neu erworbenes Wissen in die Praxis umsetzen,  so u. a. das Bewältigen des Einstiegs/-fahrens und Ausstiegs/-fahrens, Haltestellenarten, Nutzung der Rampe, Erreichen eines Sitz- bzw. Stellplatzes, Fahrzeugausstattung und Kontaktaufnahme mit dem Fahrer.

Der VGG wurden wertvolle Hinweise gegeben, wie Ihre Fahrzeuge hinsichtlich der Belange für Fahrgäste mit Mobilitätseinschränkung optimiert werden sollten:

  • Entfernung von Fahrkartenautomaten und weiteren Hindernissen, die im Mehrzweckbereich, in den Rangier- und Stellplatz für Fahrgäste mit Mobilitätseinschrnkung hineinragen
  • Schaffung erreichbarer Sitzplätze für Rollatorennutzer und Gehbehinderte
  • Anbringen von Symbolen an Rollstuhltür und Vorderseite des Busses.

Im Anschluss wurden die Teilnehmer mithilfe von Sonderfahrten der VGG direkt zum Tierpark Görlitz befördert, wo als nächster Programmpunkt eine Führung zu ausgewählten Höhepunkten folgte: u. a. Roter Panda, Neue Känguruh-Anlage, Kamele, Zwitscherzimmer, Streichelzoo, Tibetdorf, Schweine zum Anfassen)

Webseite des Naturschutz-Tierparks in Görlitz

Sehr begrüßenswert ist das Konzept des Zoos, dass Tier und Mensch direkt miteinander in Kontakt kommen, es z. T. berollbare Wege gibt, gepflegte barrierefreie WC´s existieren und auch der Zoo Imbiss mit Rollstuhl erreicht werden kann.

Aber auch hier gaben die Teilnehmer Hinweise, wie der Zoo für alle Besucher barrierefreier gestaltet werden sollte. Insbesondere die barrierefreie Nutzbarkeit der Wege sollte verbessert werden (u. a. durch Auffüllen von Auswaschungen und Beseitigen von Unebenheiten, Verfestigung von locker aufgefüllten Wegen, Gewährleistung eines ebenen Zugangs zum „Zwitscherzimmer“ anstatt der ausschließlichen Verwendung von Pflastersteinen, Kennzeichnung barrierefreier Toilettenanlagen). In diesem Sinne unterstützt das Projekt die Bemühungen der Beauftragten für Menschen mit Behinderungen des Landkreises Görlitz, Frau Mirle.

Im Anschluss begab sich die Gruppe ins Görlitzer Stadtzentrum, um Ihren Besuch bei einer Führung durch die Altstadt ausklingen zu lassen. Dafür wurde eine Route rund um Ober- und Untermarkt gewählt, die mit kleineren Einschränkungen (Pflasterung) barrierefrei nutzbar war. Nun galt es zur Überwindung der Strecke Tierpark – Demianiplatz die erlernten Fertigkeiten des Mobilitätstrainings Bus in der Praxis umzusetzen, was an sich sehr gut klappte. Nur die Fahrgastinformation sollte verbessert werden, denn der Bus hielt gar nicht am Demianiplatz sondern eine Querstraße weiter. Diese Information gab aber weder die Internetauskunft des ZVON aus, noch das Service-Team der VGG, mit denen die Projektkoordinatorin vorab in telefonischem Kontakt stand.

Ein Paar mit Rollator/Gehbehinderung testete auch die Görlitzer Straßenbahn, die natürlich noch hochflurig ist. Der Einstieg war beschwerlich und das Verladen des Rollators nur mit Begleitperson und mithilfe von Fahrgästen zu stemmen. Deshalb begrüßt das Projekt das Vorhaben gemäß des Verkehrskonzepts der Stadt Görlitz, für die Straßenbahn Niederflurfahrzeuge zu beschaffen.

Ausfahrt Sebnitz

Der letzte Ausflug dieser Reihe führte in die Kunstblumenstadt Sebnitz.

Die ursprünglich geplante An- und Abfahrt der Teilnehmer via Nationalparkbahn und Städtebahn Sachsen musste aufgrund umfangreicher Bauarbeiten bzw. Ersatzverkehren im Schienenbereich anders organisiert werden. Deshalb wurde eine Direktverbindung mit dem Regionalbus der OVPS (Linie 261) ab Dresden ordnungsgemäß angemeldet.

Da im Bus eingeschränkte Platzkapazitäten vorhanden sind, konnte nur eine kleinere Gruppe mit einem Rollstuhlfahrer, zwei Rollatornutzern, zwei Geheingeschränkten (davon eine mit mit Armstützen) und zwei Begleitpersonen vom LSKS und den Verein Begleitetes Wohnen den Ausflug vom Dresdner Albertplatz aus antreten.

Die Reisegruppe war einigermaßen überrascht, als statt dem erwarteten Niederflur- ein Hochflurbus kam. Auch der Fahrer war verblüfft, dass es sich um eine Gruppe handelte, weil er nur von einem Rollstuhlnutzer wusste. Offenbar sollte im Busunternehmen die Weiterleitung der angemeldeten Fahrgäste optimiert werden. Jedoch machten sowohl Fahrer als auch Teilnehmer das Beste aus der Situation: Der Rollstuhlnutzer wurde per Hubeinrichtung ins (relativ kleine) Mehrzweckabteil des Busses gehoben. Dies geschah störungsfrei, nahm jedoch längere Zeit in Anspruch und war offenbar auch nicht allzu einfach, sodass der Fahrer die Bedienungsanleitung hinzuziehen musste. Die Rollatornutzer stiegen mit Hilfe des Fahrers und der Begleiter ein.

Die Fahrt durch eine sehr ansprechende Landschaft verging wie im Flug und der Ausstieg klappte mit der entsprechenden Hilfe gut, war jedoch für die geheingeschränkten Teilnehmer wieder ein Kraftakt.

Auch der Ist-Zustand des Sebnitzer Busbahnhofs mit eingeschränkt barrierefreien Haltestellen (Rampe ist nötig) könnte verbessert werden: So sind zwar Bordabsenkungen vorhanden, jedoch sehr uneben und nicht immer werden die vorgeschriebenen 3 cm eingehalten. Das Behinderten-WC konnte nur über einen Münzautomaten geöffnet werden werden und war in unsauberem Zustand. Der benachbarte Imbiss bot für alle einfache aber leckere Kost und der Besitzer ermöglicht bei Bedarf auch die Einfahrt für Rollstuhlnutzer in den Innenraum.

Ausflugsziel war die Deutsche Kunstblume Sebnitz, wo die Teilnehmer bei einer Führung in die Geschichte und Herstellung der berühmten Sebnitzer Kunstblumen eintauchten. Die anschließende Gelegenheit selber zu „blümeln“ und im Museumsladen zu bummeln wurde gern genutzt. U. a. dank des Aufzugs, der zwischenzeitlich wieder Instand gesetzt worden war, konnten sich alle Teilnehmer im Haus problemlos bewegen.

Webseite der Kunstblume Sebnitz

Der Besuch von Sebnitz wurde durch eine sehr anschauliche Stadtführung abgerundet und dabei eine weitestgehend barrierfreie Route angeboten (u. a. Viadukt und Markt), Einschränkungen gab es nur an einigen Stellen durch verlegte Pflastersteine oder eine Baustelle am Gehweg der Hertigswalder Straße und eine dadurch fehlende Bordabsenkung, um die Straßenseite zu wechseln bzw. an einen verengten Gehweg.

Die Rückfahrt nach Dresden verlief – auch dank der eingesetzten Niederflurbusse mit eingebauter Klapprampe – sehr gut.

Unser Eindruck nach dem erlebnisreichen Tag war: Sebnitz ist eine Reise wert und im Normalfall sowohl durch ÖPNV- als auch SPNV-Angebote angebunden, die auch durch Menschen mit Mobilitätseinschränkung nutzbar sind. In diesem Sinne würden es die Teilnehmer begrüßen, wenn sich in der Stadt noch mehr barrierefreie Angebote etablieren würden, wobei das Selbsthilfenetzwerk Sachsen auch gern beratend zur Seite steht.

Fazit

Die Ausfahrten haben allen sehr gut gefallen. Jedoch gibt es noch viele Dinge die optimiert werden müssen, so u. a. Sicherstellung eines reibungslosen Informationsflusses bei der Fahrtanmeldung, Achten auf wichtige Details, wenn barrierefreie Angebote vorhanden sind (z. B. Vermeiden des Zustellens von Rangierbereichen, Sicherstellung sauberer öffentlicher Beh.-WC´s) und Gewährleistung der Funktionalität von Aufzügen. Bei der Umsetzung möchte das SHNW auch in der Zukunft gern behilflich sein.




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