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Projektteam „ÖPNV/SPNV für alle“ zu Gast bei ALSTOM in Bautzen (SH-NEWS 2021/072 vom 18.08.2021)

Stadtbahnwagen in FertigungDVB und LSKS besichtigen neuen Stadtbahnwagen im Fertigungswerk

(LSKS/kha) Am 05.08.2021 nutzte das Projekt „ÖPNV/SPNV für alle“ die Möglichkeit gemeinsam mit Mitarbeitern der Dresdner Verkehrsbetriebe AG (DVB) nach Bautzen aufzubrechen, um den aktuellen Fertigungsstand der neuen Dresdner Stadtbahnwagen zu begutachten. Der Termin steht im Zusammenhang mit einer Reihe vorangegangener Aktivitäten (siehe u. a. SH-NEWS 2021/054; SH-NEWS 2020/004,) zur barrierefreien Gestaltung der neuen Stadtbahngeneration und kam auf Einladung der DVB gemeinsam mit ALSTOM zustande, nachdem das Projekt einen Lokaltermin erbat, um noch offene Punkte im Sinne der barrierefreien Fahrzeug-Gestaltung zu klären.

Dies betraf einerseits die Gestaltung der Haltestangen samt Haltewunschtaster sowie die Sprechstelle für behinderte Fahrgäste. Andererseits war die Bereitstellung eines Sitzplatzes für kleinwüchsige Menschen und auch Kinder ein zentrales Thema. Der Projektkoordinatorin Kerstin Hammer war es dabei besonders wichtig, die Vertreter der jeweiligen Nutzergruppen einzubeziehen, um auf Grundlage ihrer Einschätzung, die Nutzbarkeit der angebotenen Ausgestaltung zu bewerten.

Die Interessen der blinden und sehbehinderten Nutzer vertraten Dr. Jan Blüher und Michael Engst (Blinden- und Sehbehindertenverband-KO Dresden/ BSVS), Karla Körner, Referentin für Mobilitätstrainings und Stephan Zapke vom Inklusionsnetzwerk Sachsen der Landesarbeitsgemeinschaft Selbsthilfe Sachsen e.V. (LAG SH). Der Landesverband Kleinwüchsige und ihre Familien arbeitete dem Projekt im Vorfeld zu, da eine Teilnahme dieses Mal leider nicht möglich war und delegierte diese an einen kompetenten Selbstvertreter Ingo Giewolies.

Seitens der DVB wirkten Holger Seifert, Leiter Center Schienenfahrzeuge, Silke Dreßel, Beauftragte für besondere Personengruppen, Kay Klinkicht, Center Fahrbetrieb, und Torsten Zingel von der Betriebsleitung mit. Der Landesverband Selbsthilfe Körperbehinderter Sachsen e. V. wurde durch die Projektkoordinatorin Kerstin Hammer und den Fachberater und ehemaligen Leiter des Centers Fahrbetrieb bei der DVB, Ulrich Funk, vertreten.

Gemeinsam wurden anhand eines aktuell in Fertigung befindlichen Fahrzeuges sowohl die technischen Möglichkeiten als auch Grenzen zur Erhöhung der Barrierefreiheit erörtert und erforderliche Verbesserungen diskutiert. Dabei wurde einerseits auf die Einbeziehung der Kompetenz Betroffener und andererseits auch auf die Möglichkeit zur Selbsterfahrung bei den verantwortlichen Mitarbeitern von DVB und ALSTOM gesetzt. Für diesen Zweck kamen auch Simulationsbrillen verschiedener Augenerkrankungen zum Einsatz.

U. a. wurden folgende Vereinbarungen getroffen bzw. bereits zum Besichtigungstermin präsentiert:

  • Zur geeigneteren Gestaltung von Sitzen u. a. für kleinwüchsige Menschen erfolgte auf Hinwirken des Projektes die Einstellung einer niedrigeren Sitzhöhe des Klappsitzes im vorderen und perspektivisch auch hinteren Wagenteil. Da der Klappsitz jedoch in Auswertung des Mock-Ups Anfang des Jahres 2020 auch von weiteren Nutzergruppen nachgefragt wird (Eltern mit Kinderwagen), war es an dieser Stelle nötig eine Sitzhöhe zu finden, die zumindest auch von diesen noch genutzt werden kann. Geprüft wird hier außerdem die Anbringung einer weiteren Haltestange, die Menschen mit Mobilitätseinschränkungen ein noch sichereres Sitzen ermöglichen können.
  • In den Fokus ist des Weiteren ein Sitz im mittleren Wagenteil „(Sänfte“) gerückt, der noch bequemer und auch breiter ist als ein Klappsitz. Herr Giewolies schlug für diesen vor, eine Fußklappe an der vorderen Seitenwand zu installieren. Diese kann von kleinwüchsigen Fahrgästen als Tritt genutzt werden und behindert auch andere Fahrgäste nicht, die DVB und Bombardier prüfen nun die Umsetzung.
  • Im Gegensatz zu den bisher verkehrenden Stadtbahnwagen mit durchgängig gelben Haltestangen setzt die DVB AG im neuen Fahrzeug auf graue Haltestangen. Laut einer Modellrechnung sollen die Kontraste die der gelben Stangen noch übersteigen. Ob diese Annahme unter realen Bedingungen und Umwelteinflüssen noch Bestand hat, bezweifelt das Projekt, nahm diesbezüglich nach Bekanntwerden dieses Vorhabens Stellung gegenüber der DVB AG und erbat nicht zuletzt deshalb den Besichtigungstermin. Die Besichtigung unter Hinzuziehung der Betroffenen und auch Simulationsbrillen, ergab eindeutig, dass durchgängig graue Haltestangen nicht ausreichend sichtbar sind, wenn auch der Hintergrund dunkel ist. Eine Anpassung zur Sicherheit aller Fahrgäste ist deshalb dringend erforderlich. Die DVB bietet an dieser Stelle an, dass insbesondere Bereiche, die sich kaum gegen den Hintergrund abheben, partiell gelb einzufärben und versichert überdies im Rahmen der Innenraumgestaltung weniger Flächen zu bekleben, als es in den aktuellen Stadtbahnwagen der Fall ist. Somit soll der Kontrast zwischen weiß-dunkelgrau größtenteils gewahrt werden.
  • Der Test weiterer Hilfen für mobilitätseingeschränkte Menschen fiel durchaus positiv aus, zahlreiche weitere Verbesserungsvorschläge, die im Vorfeld und auch zum Mock-Up seitens des Projektes eingebracht wurden, haben die DVB AG gemeinsam mit ALSTOM erfolgreich umgesetzt. So wurden am Boden aller Türen gelbe, koroundbesetzte Schienen angebracht, die Rollstuhlnutzern das Überwinden der Restschwelle vereinfachen und sehbehinderten Fahrgästen zugleich das Auffinden der Türen erleichtern sollen. Der Fußboden ist nun griffiger, was sich günstig auf die Beförderung von Hilfsmitteln auswirkt. Die Sprechstelle am Behindertenstellpatz ist farblich und taktil gut zu deuten, Haltewunschtaster setzen sich durch die gelbe Färbung des Gehäuses sehr gut von der Umgebung ab und sind mit erhabenen H-Buchstaben bzw. -Symbolen oder teils mit Brailleschrift versehen. Im gesamten Fahrzeug wurden zusätzliche Haltestangen geschaffen, so z. B. im Türbereich und auch in den großen Mehrzweckbereichen („Sänfte“). Dies wurde u. a. durch eine verbesserte Sitzanordnung, die durch das Projekt angeregt wurde, möglich.

Das Projektteam wird die Umsetzung auch weiterhin begleiten. Eine abschließende Bewertung durch weitere Nutzergruppen soll spätestens im ersten Quartal 2021 im Rahmen eines separaten Besichtigungstermins erfolgen. Dazu halten wir Sie gern auf dem Laufenden.

An dieser Stelle geht ein herzlicher Dank an alle Mitwirkenden, die um einen sachlichen und konstruktiven Austausch zu diesen wichtigen Punkten bemüht waren.


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